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Lovelab Dreamspace WHERE DREAMS TAKE FORM
Gemälde »Der nächtliche Spaziergang« von Banu Birecikligil: ein Zwischenwesen mit türkisfarbenem Haar über einem nächtlichen Garten
DREAM

DREAM 7: Wie fühlt sich eine Nymphe?

03|10|2026 – 23|01|2027 Lovelab Dreamspace

Banu Birecikligil malt seit dreißig Jahren Traumlandschaften, in denen sich Mensch, Tier und Mythos überlagern. Ihre Wälder, Vegetationen und Städte sind weniger Orte als Bewusstseinszustände. Figuren, die in gesellschaftlichen und persönlichen Zwängen gefangen sind, treffen darin auf Wesen, die jenseits der Entfremdung existieren.

Im Zentrum der Ausstellung steht ihre neue Struwwelpeter-Reihe: drei großformatige Arbeiten auf Papier, die den ungewaschenen, ungekämmten Jungen aus Heinrich Hoffmanns Kinderbuch von 1845 — in Deutschland bis heute das Sinnbild des abschreckenden Beispiels — als Bild von Ohnmacht und Entfremdung deuten. »Ich hatte so ein Gefühl des Verkommens im eigenen Körper oder in der eigenen Seele«, erzählt sie über die Entstehungszeit. Im Türkischen gibt es dafür eine Metapher: das schwarze Wasser, das einem in die Beine fließt. In den Bildern wird daraus ein Adersystem aus schwarzer Flüssigkeit, gerahmt vom Aronstab — einer Pflanze, die nach Verfaultem riecht, giftig ist und für den Tod steht.

Linke Tafel der Struwwelpeter-Reihe von Banu Birecikligil: Aronstab mit weißem Blütenkelch, darunter eine Hand mit langen FingernägelnMittlere Tafel der Struwwelpeter-Reihe von Banu BirecikligilRechte Tafel der Struwwelpeter-Reihe von Banu Birecikligil
»Struwwelpeter«, Tafeln I–III | Mischtechnik auf Papier, je ca. 100 × 150 cm | 2026

Gearbeitet ist die Reihe auf Papier statt wie sonst in Öl auf Leinwand: zeichnerischer, langsamer, ohne die Möglichkeit des Übermalens. Ein Verfahren, das Birecikligil bewusst den botanischen Illustratorinnen des 17. bis 19. Jahrhunderts entlehnt hat — Frauen, denen die wissenschaftliche Zeichnung als eines der wenigen erlaubten Gestaltungsmedien offenstand.

Ihnen gegenüber steht das Ölgemälde »Der nächtliche Spaziergang«: eine Nymphe durchstreift eine nächtliche Landschaft, daneben ein Haus, das Licht abstrahlt. Das mythische Wesen wird zum Gegenbild der Entfremdung — zu einer Vorstellung von Bewusstsein, das frei sein könnte von gesellschaftlicher Unterdrückung und den Zwängen des eigenen Ichs. »Ich frage mich, wie Tiere die Welt wahrnehmen und wie sie fühlen und denken«, sagt Birecikligil. »Und diese ganze mythologische Welt der Zwischenkreaturen, zwischen Mensch und Tier.«

Gemälde »Der nächtliche Spaziergang«: eine Nymphe mit türkisfarbenem Haar über einem nächtlichen Garten, daneben ein leuchtendes Haus
»Der nächtliche Spaziergang« | Öl auf Leinwand, 150 × 100 cm | 2020

Das ist keine esoterische Frage. Seit Descartes gilt der westlichen Wissenschaft das Tier als Maschine. Es hat vierhundert Jahre gedauert, bis Experimente unlängst das Gegenteil belegten und es damit wieder sagbar wurde. »Man kann doch sehen, dass ein Tier Gefühle hat«, sagt Birecikligil. Wo die Bereitschaft zum Mitgefühl fehlt, wird alles möglich: die Herrschaft über Lebewesen, über Menschen, über den gesamten Planeten. Das sind die psychopathischen Züge unserer Gesellschaft.

In der neuen Video-Kollaboration der Künstlerin mit Tim Ra führt die Reise einer Nymphe durch miterlebtes Leid, Schmerz und Tränen zu neuem Wachstum. Schlüssel dafür ist die Empathie.

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»Darkstar« — Video-Kollaboration von Banu Birecikligil und Tim Ra

Dazu passend zeigt die Ausstellung thematisch ausgewählte Drucke aus dreißig Jahren Malerei: Kassandra, die alles vorher weiß und der niemand glaubt, mit abgehackten Händen auf dem Kopf. Eine kopflose Meerjungfrau, der statt Armen zwei Drähte bleiben. Ein Selbstporträt, das »Ohnmacht« heißt. Immer wieder dieselbe Figur — eine Frau, die sieht und weiß und trotzdem nicht handeln kann.

Das Werkstattgespräch

Wie entstehen Birecikligils Traumlandschaften? Tim Ra hat Banu Birecikligil in ihrem Atelier in Bodrum besucht.

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Banu Birecikligil in ihrem Atelier in Bodrum

→ Das vollständige Interview lesen: »Wie fühlt sich eine Nymphe?«

Events in diesem Dream

03|10|2026

Vernissage »Wie fühlt sich eine Nymphe?«

Der Struwwelpeter als Bild der Ohnmacht, die Nymphe als Gegenbild. Ab 19 Uhr, um 20 Uhr öffentliches Gespräch mit Banu Birecikligil.