DREAM 1: Genesis
»Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?«
Martin Heidegger, 1929
Am Anfang der Ausstellung steht die Urfrage der Metaphysik. GENESIS — DREAM 1 versucht nicht, diese Frage zu beantworten. Die Ausstellung lädt vielmehr ein, die Schöpfung zu träumen — in Form von unterschiedlichen Weisen, Wirklichkeit zu erfahren und zu bewohnen; Weisen, die sich weder beweisen noch widerlegen, sondern nur erleben lassen.
Der eine Traum sieht den Kosmos als gleichgültigen Prozess des Werdens und Vergehens: eine Welt ohne Trost, ohne Adressaten, ohne letzte Rechtfertigung — jene von Max Weber beschriebene entzauberte Welt, in der das Dasein keinen Sinn mehr stiftet. Der andere Traum begreift dieselbe Wirklichkeit als beseeltes Geflecht des Gebens und Empfangens, als eine Fülle, die sich unablässig verschenkt und in der alles mit allem in Beziehung steht.
Beide Träume sind uns vertraut. Manchmal erscheint die Welt als stumm und gleichgültig, manchmal als beseelt und antwortend. Zuweilen wechseln diese Erfahrungen nicht nur im Verlauf eines Lebens, sondern innerhalb eines einzigen Tages. GENESIS stellt beide Träume nebeneinander, ohne sie versöhnen zu wollen — Erfahrungsräume, durch die man hindurchgeht, um derselben Frage immer wieder neu zu begegnen.
Im Zentrum des Lovelab antworten zwei Arbeiten aufeinander: Über dem unsichtbaren Altar der Dankbarkeit, den der kolumbianische Schamane Inö gestaltet hat, schweben die Schmetterlinge von Lavanya Honeyseeda. Der Altar ist als schöpferische, hervorbringende Haltung zu verstehen — als Haltung der Schöpfung, als unerschöpfliche Quelle der Fülle. Die Schmetterlinge, Sinnbilder der Verwandlung, tragen diese stille Gabe in den Raum: Dankbarkeit, die Flügel bekommt.
GENESIS versammelt handgefertigte und KI-generierte, musikalische, bildnerische und videografische Arbeiten aus Indien, Südamerika, Afrika und Europa — von Lavanya Honeyseeda, Embokazomanga, J.Plankton, Tim Ra, Kasimir, Livi und Inö.
