Tim Ra's “Killer von Cadiz”

Eine Noir-Odyssee

Mit Killers of Cádiz taucht Tim Ra tief in das Zwielicht des Noir ein und lässt sich dabei von der afroamerikanischen und europäischen Jazzmoderne der späten 1950er Jahre inspirieren. Ausgedehnte orchestrale Texturen legen sich wie Schatten über iberische Harmonien, Melodien tauchen auf und verschwinden wieder, während eine suchende, eindringliche Trompete als fragile Erzählstimme die sich entfaltenden Szenen leitet.

Die Musik erzählt von einer Welt, die nach außen hin glänzt, während unter ihr ein Abgrund gähnt. Illusion und Hybris regieren und widersetzen sich allem, was geerdet und substantiell ist. Doch letztlich durchdringen funkige Grooves die Dunkelheit, pulsieren durch den Körper, verankern den Abgrund und bringen ihn in Bewegung.

Killers of Cádiz ist eine Hommage an die Tradition des Noir Jazz, eine Tradition, die Ambivalenz, Unruhe, Dunkelheit und immense musikalische Freiheit umarmte und gleichzeitig ein Fenster zu einer zerbrochenen, spätkapitalistischen Gegenwart öffnet, in der alte Gewissheiten zusammenbrechen, um Platz für falsche Idole zu machen. Das Album ist kein Nostalgietrip - es ist die Fortsetzung einer kritischen Tradition, die sich in dystopischen Zeiten dringender denn je anfühlt, indem sie unbequemen, verschatteten Wahrheiten eine Stimme verleiht und so den Widerstand in musikalische Form bringt.

https://tim-ra.bandcamp.com/album/killers-of-cadiz

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