{"id":10300,"date":"2026-04-25T19:42:00","date_gmt":"2026-04-25T17:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lovelab.berlin\/?p=10300"},"modified":"2026-09-08T14:08:37","modified_gmt":"2026-09-08T12:08:37","slug":"die-hunderttausend-dollar-platte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lovelab.berlin\/fr\/die-hunderttausend-dollar-platte\/","title":{"rendered":"Le disque de cent mille dollars"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Ein Jahr Arbeit, f\u00fcnfundzwanzig Jahre Anlauf. Am 25. April 2026 sitzen Tim Ra und Jens Str\u00fcver zur Listening-Session im Lovelab Dreamspace vor Publikum zusammen, um ihr ihr neues Album zu sprechen. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Bernard Herrmann und Gustav Holst, \u00fcber Aufstieg und Absturz der Kosmischen Kuriere um Rolf-Ulrich Kaiser \u2014 und \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz als Universalarchiv.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit <em>Kosmische Kuriere<\/em> organisieren Tim Ra und Jens Str\u00fcver keine Flucht zu den Sternen. Sie erfinden eine neue Art, die Erde vom Kosmos aus zu bewohnen. Zwischen schwebenden Jazzkl\u00e4ngen, astraler Exotica, analogen Synthies, KI-gest\u00fctzten Visionen und heilsamer Science-Fiction gleicht dieses bei Lovelab erschienene Album einer Postkarte aus einer weniger brutalen Zukunft. Eine Musik der Schwellen, der F\u00fcrsorge und der Verwandlung. Eine retro-futuristische Odyssee zwischen Krautrock und empathischer Utopie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><cite>Olivier Lehoux, Sol\u00e9no\u00efde (Frankreich)<\/cite><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"ll-player\">\n\n<div class=\"BorlabsCookie\"><div class=\"_brlbs-content-blocker\"> <div class=\"_brlbs-default\"> <p>Klicken, um den Bandcamp-Player zu laden. Dabei werden Daten an Bandcamp \u00fcbertragen.<\/p> <p><a class=\"_brlbs-btn\" href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Inhalt laden<\/a><\/p> <\/div> <\/div><div class=\"borlabs-hide\" data-borlabs-cookie-type=\"content-blocker\" data-borlabs-cookie-id=\"bandcamp\"><script type=\"text\/template\">PGlmcmFtZSBzdHlsZT0iYm9yZGVyOiAwOyB3aWR0aDogNDAwcHg7IGhlaWdodDogNDA2cHg7IiBzcmM9Imh0dHBzOi8vYmFuZGNhbXAuY29tL0VtYmVkZGVkUGxheWVyL2FsYnVtPTM1NTQyODA1MTIvc2l6ZT1sYXJnZS9iZ2NvbD1mZmZmZmYvbGlua2NvbD0wNjg3ZjUvYXJ0d29yaz1zbWFsbC90cmFuc3BhcmVudD10cnVlLyIgc2VhbWxlc3M+PGEgaHJlZj0iaHR0cHM6Ly90aW0tcmEuYmFuZGNhbXAuY29tL2FsYnVtL2tvc21pc2NoZS1rdXJpZXJlIj5Lb3NtaXNjaGUgS3VyaWVyZSBieSBUaW0gUmEgJmFtcDsgSmVucyBTdHLDvHZlcjwvYT48L2lmcmFtZT4=<\/script><\/div><\/div>\n\n<figcaption>\u00bbKosmische Kuriere\u00ab, erschienen bei Lovelab. Acht St\u00fccke, Mastering: Werner Dafeldecker.<\/figcaption>\n\n<\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">I \u2014 Der Anruf<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Wir hatten gerade eine kreative Pause, als Tim mich anrief und meinte: Jens, es ist so weit, man kann mit K\u00fcnstlicher Intelligenz Musik machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Ich hatte gerade das erste mit Hilfe von KI erstellte Album fertiggestellt: <em>Killers of Cadiz<\/em>, eine Noir-Jazz-Platte, die ich Anfang 2026 ver\u00f6ffentlicht habe. Ich schickte Jens einen Link zur Musik, und er war schwer beeindruckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Und da ich immer neugierig bin, fand ich es super, das auch mal auszuprobieren. Meine ersten Versuche waren, zwei meiner Lieblingsgruppen einzugeben: Kraftwerk und Pink Floyd. Und ich kann euch sagen, was da rauskam, war Lichtjahre entfernt von Kraftwerk oder Pink Floyd. Da w\u00e4re man nie draufgekommen. So einfach ist das also nicht, wie man es manchmal in Interviews zum Thema KI liest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Es ist harte Arbeit, so zu klingen wie andere. Noch h\u00e4rtere Arbeit ist es, eine eigene Signatur zu entwickeln. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Und dann sind \u00fcber ein Jahr hinweg die Skizzen f\u00fcr diese unglaublich filmischen St\u00fccke entstanden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">II \u2014 Das Universalarchiv<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Man muss dazu wissen: Jens ist Musikarchivar und kennt sich musikhistorisch unglaublich gut aus, in der Breite und in der Tiefe. Man fragt ihn nach irgendwas, und er geht zum Plattenregal und zieht sofort die richtige Platte raus. \u00c4hnlich war es, als wir an dieser Musik gearbeitet haben: Zu jedem Klang und zu jeder Idee aus der KI hatte Jens gleich die richtigen Komponisten auf dem Schirm, die man dann in die Prompts einflie\u00dfen lassen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ich h\u00f6re sehr viele Sachen aus den F\u00fcnfzigern, momentan vor allem Hollywood-Soundtracks und bestimmte Cool-Jazz-Sachen. Nicht Chet Baker, eher die anderen, die mit Orchester arbeiten. Das, was man Third Stream nennt \u2014 der Begriff stammt \u00fcbrigens von Gunther Schuller, der 1957 diese dritte Str\u00f6mung zwischen Jazz und klassischer Komposition ausgerufen hat. Genau in diesem Zwischenreich bewegen wir uns auch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Tim ist von Komponisten wie Gustav Holst oder Charles Ives begeistert. Da stehen wir beide voll drauf. Und nat\u00fcrlich Bernard Herrmann. Der hat 1941 mit Orson Welles angefangen \u2014 <em>Citizen Kane<\/em> war seine allererste Filmmusik \u2014, hat dann die gro\u00dfen Hitchcock-Filme gemacht, <em>Vertigo<\/em>, <em>Psycho<\/em>, und h\u00f6rte mit Scorseses <em>Taxi Driver<\/em> auf. Er ist 1975 in der Nacht gestorben, nachdem er die letzte Aufnahmesession daf\u00fcr beendet hatte. Einer der Besten, bis heute unerreicht. Was es nicht werden sollte, war gleichzeitig auch ganz klar: blo\u00df keine Hans-Zimmer-Sequencer-Orchester-So\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Das war sehr klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Obwohl Zimmer ja mal ambitioniert angefangen hat. Aber das ist lange her. Ich habe gerade ein Interview mit Irmin Schmidt von CAN in der <em>Wire<\/em> gelesen, wo er das Mickey-Mousing in der Filmmusik kritisiert. Das hei\u00dft: Du hast eine traurige Szene, und dann kommt Musik, die ist noch trauriger. Oder du hast eine komische Szene, und dann wird dazu alberne Musik eingespielt. So darf man doch keine Filmmusik angehen. Aber das hat sich leider immer mehr durchgesetzt. <em>Kosmische Kuriere<\/em> steht f\u00fcr einen Paradigmenwechsel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Es ist ein R\u00fcckgriff auf \u00e4ltere Traditionen. Du hast Gustav Holst schon erw\u00e4hnt. Wir beziehen uns bewusst auf \u00bbDie Planeten\u00ab, die er zwischen 1914 und 1917 komponiert hat, mitten im Ersten Weltkrieg. Alte Musik, die zugleich ein Vorgriff auf die Science-Fiction-Musik der F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahre gewesen ist \u2014 und weit dar\u00fcber hinaus: John Williams hat sich f\u00fcr <em>Star Wars<\/em> ganz unverhohlen beim Mars-Satz bedient. Von Holst f\u00fchrt ein Weg zu Bernard Herrmann und John Williams, und von dort aus zu unserer Platte. Mit unserer Arbeit verfolgen wir solche Traditionslinien und kn\u00fcpfen daran an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bauen diese Einfl\u00fcsse mit ein, und dabei hilft die KI. So \u00e4hnlich wie Jens\u2019 gewaltiges Plattenregal und die zahllosen am Boden liegenden Plattenstapel ist die KI ein Universalarchiv, auf das man mit Prompts zugreift und mit dem man diese Assemblage von Einfl\u00fcssen leisten kann. So entstand diese Platte: aus unserem gemeinsamen Wissensschatz sch\u00f6pfend, auf dieses Menschheits-Archiv zugreifend. So ist etwas Neues entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Und tausend B\u00fccher habe ich auch noch. Ich habe nicht mal einen Computer in der Wohnung. Internet sowieso nicht. Aber wei\u00dft du: Wenn du so viele Schallplatten und Filme hast, brauchst du keinen Computer und kein Internet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Du brauchst h\u00f6chstens einen Roboter, der die Sachen aus dem Regal holt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Der Roboter bin ich selber. Und je \u00e4lter ich werde, desto schwieriger wird es.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Desto robotischer werden die Bewegungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Die Heavy-Metal-Abteilung ist ganz unten, in Bodenn\u00e4he. Ich will mal wieder eine Sunn O))) h\u00f6ren, m\u00fcsste mich aber daf\u00fcr b\u00fccken. Und dann denke ich: Ach nee, ich bleibe mal lieber hier oben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">III \u2014 Die Kreativit\u00e4t geht weiter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Vorgestern war ich mit meiner Partnerin Susanne bei Kruder &amp; Dorfmeister, die sich ja durch Samples und Remixe eine gro\u00dfe Karriere erarbeitet haben. Danach hatten wir noch die Chance, mit Richard Dorfmeister \u00fcber KI zu sprechen. Er meinte: Ja klar, dieses Tool ist jetzt da, und das l\u00e4sst sich nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Ich kann mir vorstellen, dass er das auch in seine Arbeit mit einbezieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man unsere Platte h\u00f6rt und sich \u00fcberlegt, was das fr\u00fcher bedeutet h\u00e4tte \u2014 ein Arrangeur, wie viele Musiker, die Probenzeiten, die Studiotage \u2014, dann sage ich immer: Das ist unsere Hunderttausend-Dollar-Platte. F\u00fcr Menschen mit Ideen ist die KI eigentlich super. Gleichzeitig machen Tim und ich weiterhin auch handgemachte Musik, das schlie\u00dft sich ja nicht aus. Mit Stefan Mensger habe ich letztes Jahr eine Platte gemacht, daf\u00fcr benutzten wir nur Gitarren und Bass. Es macht weiterhin Spa\u00df, Sachen in die Hand zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die KI ist eben auch ein tolles Tool. So wie damals, als der Sampler kam, als die ersten Hip-Hop-Acts anfingen zu samplen \u2014 oder Peter Gabriel und Kate Bush. Da denke ich an zwei Platten von 1982: Peter Gabriels viertes Album, das in den USA <em>Security<\/em> hie\u00df, und Kate Bushs <em>The Dreaming<\/em>. Beide haben damals den Fairlight CMI eingesetzt, einen der ersten digitalen Sampler \u00fcberhaupt. Das Ding hat so viel gekostet wie ein Einfamilienhaus, und Peter Gabriel war einer der allerersten in England, die einen besa\u00dfen. Er hat Ger\u00e4usche, Stimmen und Alltagskl\u00e4nge aufgenommen und daraus Musik gemacht, zerbrechendes Glas, Ziegelsteine. Und Kate Bush hat das noch weitergetrieben und eine v\u00f6llig neue Klangwelt geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damals haben sich auch viele aufgeregt und gesagt: \u00bbKannst du denn nicht einfach selbst Musik machen, anstatt etwas von einer Platte zu nehmen?\u00ab Dabei wurden Schallplatten schon von Komponisten wie Pierre Henry, Pierre Schaeffer und John Cage als kompositorisches Werkzeug eingesetzt. Heute wirkt das fast selbstverst\u00e4ndlich, Sampling ist l\u00e4ngst als Kunstform anerkannt. Und ich glaube, mit KI erleben wir gerade einen ganz \u00e4hnlichen Moment. Wenn daraus etwas ganz Neues entsteht, finde ich das in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Die Kreativit\u00e4t geht weiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"ll-vf\" data-yt=\"FjugUFrBKZY\" data-title=\"Wasser des Lebens\">\n  <button type=\"button\" class=\"ll-vf__btn\" aria-label=\"Video \u201eWasser des Lebens\u201c abspielen\">\n    <img src=\"https:\/\/lovelab.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wasser-des-lebens-still-1.jpg\" alt=\"Standbild aus dem Video \u201eWasser des Lebens\u201c\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\">\n    <span class=\"ll-vf__play\" aria-hidden=\"true\"><\/span>\n  <\/button>\n  <figcaption>\u201eWasser des Lebens\u201c \u2014 Musikvideo, 2026<\/figcaption>\n<\/figure>\n\n<style>\n.ll-vf { margin: 2em 0; }\n.ll-vf__btn {\n  position: relative; display: block; width: 100%; aspect-ratio: 16 \/ 9;\n  margin: 0; padding: 0; border: 0; background: #000;\n  cursor: pointer; overflow: hidden; appearance: none; -webkit-appearance: none;\n}\n.ll-vf__btn img {\n  width: 100%; height: 100%; object-fit: cover; display: block;\n  transition: transform .6s ease, opacity .3s ease;\n}\n.ll-vf__btn:hover img { transform: scale(1.03); opacity: .82; }\n.ll-vf__btn:focus-visible { outline: 2px solid currentColor; outline-offset: 3px; }\n.ll-vf__play {\n  position: absolute; top: 50%; left: 50%; transform: translate(-50%, -50%);\n  width: clamp(3.4rem, 7vw, 4.6rem); height: clamp(3.4rem, 7vw, 4.6rem);\n  border-radius: 50%; background: rgba(0,0,0,.5);\n  border: 1px solid rgba(255,255,255,.55); pointer-events: none;\n  transition: background .3s ease, transform .3s ease;\n}\n.ll-vf__play::after {\n  content: \"\"; position: absolute; top: 50%; left: 54%;\n  transform: translate(-50%, -50%); border-style: solid;\n  border-width: .62rem 0 .62rem 1.05rem;\n  border-color: transparent transparent transparent #fff;\n}\n.ll-vf__btn:hover .ll-vf__play { background: rgba(0,0,0,.78); transform: translate(-50%,-50%) scale(1.06); }\n.ll-vf__frame { width: 100%; aspect-ratio: 16 \/ 9; display: block; border: 0; }\n@media (prefers-reduced-motion: reduce) {\n  .ll-vf__btn img, .ll-vf__play { transition: none; }\n  .ll-vf__btn:hover img { transform: none; }\n}\n<\/style>\n\n<script>\nif (!window.llVF) {\n  window.llVF = true;\n  document.addEventListener('click', function (e) {\n    var btn = e.target.closest && e.target.closest('.ll-vf__btn');\n    if (!btn) return;\n    var fig = btn.closest('.ll-vf');\n    var id = fig && fig.getAttribute('data-yt');\n    if (!id) return;\n    var f = document.createElement('iframe');\n    f.className = 'll-vf__frame';\n    f.src = 'https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/' + id + '?autoplay=1&rel=0&modestbranding=1&playsinline=1';\n    f.title = fig.getAttribute('data-title') || 'Video';\n    f.allow = 'accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share';\n    f.setAttribute('allowfullscreen', '');\n    f.setAttribute('referrerpolicy', 'strict-origin-when-cross-origin');\n    btn.replaceWith(f);\n  });\n}\n<\/script>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">IV \u2014 Frustrierende Tage<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Manche Sachen, Basslines zum Beispiel, kamen dann doch von Tim. Bei der KI ist ja auch nicht immer alles toll, was sie anbietet. Da gibt es Sachen, wo du denkst: Das ist geil \u2014 und das ist vielleicht ganz gut \u2014 und das muss aber irgendwie weg, weil es schlecht klingt und auch doof ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Es war vorrangig Auswahl-, Misch- und Produktionsarbeit. Das, was sonst der letzte Schritt in der Produktion ist, bekommt in der Arbeit mit KI deutlich mehr Gewicht, weil einem vieles angeboten wird, mit dem man weiterarbeiten kann. Was ich aus der Arbeit als Produzent kenne \u2014 dass ich stundenlang mit einem Musiker an der Bassline oder am Keyboard-Riff sitze \u2014, das geht jetzt schneller. Auch wenn man manchmal f\u00fcnfzigmal prompten muss, bevor etwas aus der Maschine kommt, ist es trotzdem eine wahnsinnige Beschleunigung. An Streicherarrangements habe ich fr\u00fcher oft wochenlang gesessen, das geht jetzt ganz fix.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Manche Sachen gingen wirklich fix. Andere \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Wir haben ein Jahr an der Platte gearbeitet, einmal die Woche, ungef\u00e4hr sechs Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Es gab auch Tage, wo die Ergebnisse einfach katastrophal waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Frustrierende Tage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Da ging man heulend nach Hause und hat die T\u00fcr eingetreten, weil es nicht so war, wie man wollte. Und was Programmieren und all das angeht, bin ich sowieso eine Vollniete.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">V \u2014 Ohr, Pilz, Kosmische Kuriere<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Die Idee, die Platte <em>Kosmische Kuriere<\/em> zu nennen, stammt von dir. Woher kommt dieser Begriff?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ich bin ein echter Teenage-Krautrocker. Ich hatte mit zehn, elf Jahren meine ersten Kraftwerk- und Neu!-Platten, das hat mich nie wieder losgelassen. Heute arbeite ich auch mit Wolfgang Seidel f\u00fcr Gil Schnitzler, die Witwe von Conrad Schnitzler, und k\u00fcmmere mich mit darum, dass sein Werk weiter ver\u00f6ffentlicht wird \u2014 gerade sind wieder zwei Ver\u00f6ffentlichungen bei Bureau B erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann gab es diesen Rolf-Ulrich Kaiser. Ein Typ im Anzug und mit Krawatte \u2014 und gleichzeitig komplett im psychedelischen Zeitgeist unterwegs. Bevor die Labelgeschichte \u00fcberhaupt losging, hat er 1968 die Internationalen Essener Songtage mit organisiert: rund vierzigtausend Besucher, Frank Zappa &amp; The Mothers of Invention, The Fugs, Amon D\u00fc\u00fcl, Tangerine Dream. Das war das erste gro\u00dfe Festival der deutschen Gegenkultur, ein Gr\u00fcndungsmoment. Danach gr\u00fcndete er 1970 zusammen mit dem Schlagerverleger Peter Meisel das Label Ohr \u2014 schon diese Konstellation ist verr\u00fcckt: Schlagerindustrie-Geld f\u00fcr die deutsche Avantgarde. Sp\u00e4ter kamen Pilz und schlie\u00dflich Kosmische Musik beziehungsweise Die Kosmischen Kuriere dazu. Ein riesiger Teil dessen, was wir heute als Krautrock oder Kosmische Musik kennen, ist auf diesen Labels erschienen: Tangerine Dream, Klaus Schulze, Ash Ra Tempel, Embryo, Xhol und Anima \u2014 die haben dort alle wichtige fr\u00fche Platten ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gibt es diese unglaubliche Geschichte mit Timothy Leary. Der war aus dem Gef\u00e4ngnis in Kalifornien geflohen und lebte Anfang der Siebziger im Schweizer Exil. 1972 traf er dort auf Ash Ra Tempel, und zusammen haben sie das Album <em>Seven Up<\/em> aufgenommen. Der Titel spielt nat\u00fcrlich auf die Limonade an \u2014 der Legende nach sollen bei den Aufnahmen mit LSD versetzte Seven-Up-Dosen im Spiel gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde unheimlich viel aufgenommen, oft stundenlang improvisiert, vor allem im Studio von Dieter Dierks. Daraus entstanden zun\u00e4chst regul\u00e4re Alben. Sp\u00e4ter hat Kaiser aus diesen Session-B\u00e4ndern aber immer mehr Collagen und Zusammenstellungen zusammengeschnitten und ver\u00f6ffentlicht. Zusammen mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Gille Lettmann \u2014 seinem \u00bbSternenm\u00e4dchen\u00ab \u2014 entwickelte er eine eigene kosmische Mythologie. Da gab es die ber\u00fchmten Kosmische-Kuriere-Briefe, Platten wie <em>Galactic Supermarket<\/em> von den Cosmic Jokers oder <em>Lord Krishna von Goloka<\/em> mit Sergius Golowin, und irgendwann verschwammen Realit\u00e4t, Kunstfigur und LSD-Trip.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verr\u00fcckte war: Auf manchen dieser Platten waren Musiker zu h\u00f6ren, die gar nicht wussten, dass ihre Aufnahmen verwendet worden waren. Manuel G\u00f6ttsching hat sp\u00e4ter erz\u00e4hlt, dass er 1974 in einen Berliner Plattenladen ging, dort seine eigene Gitarre h\u00f6rte und feststellte, dass gerade eine Cosmic-Jokers-Platte lief, von der er nichts wusste. Der H\u00e4ndler sagte nur: \u00bbManuel, das ist doch deine neue Platte. Du bist sogar auf dem Cover.\u00ab Und er: \u00bbWas?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Edgar Froese von Tangerine Dream lag da schon im Rechtsstreit mit Kaiser, Klaus Schulze und andere Musiker schlossen sich an. Innerhalb kurzer Zeit brach das ganze System zusammen, Mitte der Siebziger war das Label praktisch Geschichte. Und dann verschwand Rolf-Ulrich Kaiser vollst\u00e4ndig aus der \u00d6ffentlichkeit. Wenn der morgen wieder auftauchen w\u00fcrde, w\u00fcrde wahrscheinlich jede Musikzeitschrift mit ihm sprechen wollen \u2014 vermutlich sogar der <em>Spiegel<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Er ist also einfach untergetaucht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ja, komplett. Und allein diese Labelnamen finde ich gro\u00dfartig: Ohr, Pilz, Kosmische Kuriere. Fantastisch. Nat\u00fcrlich hat Kaiser viele Fehler gemacht. Aber ohne ihn w\u00e4ren viele dieser Platten m\u00f6glicherweise nie erschienen. Damals wollte kaum jemand Tangerine Dream ver\u00f6ffentlichen, oder Ash Ra Tempel, Embryo oder die ersten Klaus-Schulze-Alben. Floh de Cologne war eine der ersten politischen Rockbands in Deutschland, noch vor Ton Steine Scherben. Das hat er alles angeschoben. Und Kaiser war ja urspr\u00fcnglich Journalist und hat mehrere B\u00fccher geschrieben, <em>Das Buch der neuen Pop-Musik<\/em> zum Beispiel. Die sind heute fast vergessen, aber wenn man sich f\u00fcr die Geschichte dieser Zeit interessiert, lohnt es sich wirklich, da mal reinzuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Ist notiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Und irgendwie dachte ich: Auch wenn unsere Platte mit Krautrock wenig zu tun hat, passt doch der Bezug zu den Kosmischen Kurieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Wir beziehen uns mit unserer Vision einer empathischen Menschheit auf die kosmische Tradition \u2014 wenn auch ohne die Abst\u00fcrze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ob du\u2019s glaubst oder nicht: Ich habe gestern in einem Second-Hand-Plattenladen eine Kosmische-Kuriere-Platte gekauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Ach, tats\u00e4chlich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ja, eine Ash Ra Tempel. Die Originalpressung. Und dann haben wir eine Viertelstunde hin und her gehandelt. Er fing bei siebzig Euro an, und ich so: h\u00f6chstens drei\u00dfig. Guck mal hier, wie die aussieht! Und dann haben wir uns bei vierzig geeinigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra<\/strong> <em>(liest aus dem Presseinfo)<\/em><strong>:<\/strong> \u00bbEine kosmische Menschheit, die ihre Beschr\u00e4nktheiten durch Empathie und Liebe \u00fcberwindet. Eine Musik, die das Menschliche ins Kosmische weitet und im Kosmischen wieder zu ihrer eigenen Menschlichkeit findet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Damit ist doch alles gesagt. Ich finde, jetzt k\u00f6nnen wir erst mal etwas Musik h\u00f6ren, oder?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">VI \u2014 Zwei Seiten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Das zweite St\u00fcck auf der Platte hei\u00dft \u00bbPulsar\u00ab, unmittelbar nach der \u00bbVenus Matinee\u00ab. Urspr\u00fcnglich hie\u00df es, glaube ich, sogar mal \u00bbBolero\u00ab. Man h\u00f6rt jedenfalls noch diese Bolero-Ankl\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Du glaubst gar nicht, wie viele boleroartige St\u00fccke es gibt. Ich habe unz\u00e4hlige Platten aus den F\u00fcnfzigerjahren, aus dieser Exotica-Bewegung um Les Baxter und Martin Denny. Da tauchen solche Rhythmen und Harmonien immer wieder auf. Und ein Bolero ist ja nicht nur ein bestimmtes St\u00fcck \u2014 wie Ravels ber\u00fchmter <em>Bol\u00e9ro<\/em> von 1928 \u2014, sondern eine musikalische Form beziehungsweise ein Tanz. Urspr\u00fcnglich aus Spanien, im Dreiertakt, und dann hat sich in Kuba daraus etwas ganz Eigenes entwickelt, der langsame kubanische Bolero, der von dort aus ganz Lateinamerika erobert hat. Zwei Formen, die denselben Namen tragen und doch v\u00f6llig verschieden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St\u00fccke auf der ersten Seite des Albums sind alle ziemlich kurz, zwischen zweieinhalb und vier Minuten. Das ist fast schon Single-Format. Insofern hat \u00bbPulsar\u00ab f\u00fcr mich etwas von einem kleinen, kompakten Bolero.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"ll-vf\" data-yt=\"7n-oR0nSvTs\" data-title=\"Venus Matinee\">\n  <button type=\"button\" class=\"ll-vf__btn\" aria-label=\"Video \u201eVenus Matinee\u201c abspielen\">\n    <img src=\"https:\/\/lovelab.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/venus-matinee-still-1.jpg\" alt=\"Standbild aus dem Video \u201eVenus Matinee\u201c\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\">\n    <span class=\"ll-vf__play\" aria-hidden=\"true\"><\/span>\n  <\/button>\n  <figcaption>\u201eVenus Matinee\u201c \u2014 Musikvideo, 2026<\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Und wir haben das dann noch ein St\u00fcck weiter Richtung Mariachi entwickelt. Das Spannende am Bolero ist ja, dass er selbst schon ein Produkt kultureller Vermischungen ist: europ\u00e4ische, arabisch-nordafrikanische, sp\u00e4ter karibische Einfl\u00fcsse. Wir haben diese Geschichte weitergedacht und mit mexikanischen Elementen kombiniert. Das ist typisch f\u00fcr unseren ganzen Ansatz. Uns interessiert weniger musikalische Reinheit als das Miteinander, eine kulturelle Vielstimmigkeit. Wir verkn\u00fcpfen unterschiedliche Traditionen so, als h\u00e4tten sie schon immer zueinander geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ich finde, unsere Platte klingt sehr vertraut. Sie ist andererseits keinem Trend und keiner Mode verpflichtet, ganz anders als das Gros der gegenw\u00e4rtig entstehenden KI-Musik. Wir sind auch keine zwanzig mehr. Fr\u00fcher, als ich im Club aufgelegt habe, h\u00e4tte ich mich vielleicht anders orientiert, wer wei\u00df. Aber ich habe hier noch ein paar unver\u00f6ffentlichte St\u00fccke von uns, teilweise auch mit KI, und die sind wesentlich clubbiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Wir kommen aus der Clubmusik, aus der Berliner Clubszene. Doch als wir anfingen, diese Platte zu machen, war klar, dass wir das komplett hinter uns lassen, dass es einfach keine Rolle mehr spielt. Wir haben dieses ganze musikalische Universum der Berliner Clubs hinter uns gelassen \u2014 aber die positive Botschaft des Zusammenseins und der \u00dcberwindung von Mauern mitgenommen und in einer neuen Art von Musik weiterbuchstabiert, in einer hellen und einer dunkleren Variante: Es gibt ja eine A- und eine B-Seite des Albums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Werner Dafeldecker ist ein leidenschaftlicher Fan der B-Seite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Er hat das Mastering der Platte \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Werner ist Kontrabassist, kommt aus dem Wiener Jazz, hat das legend\u00e4re Polwechsel-Ensemble mitgegr\u00fcndet und mit Leuten wie David Sylvian und Chet Baker gearbeitet \u2014 ein richtiger Handwerker mit einem unglaublichen Ohr. Er hat immer mitgekriegt, was ich so treibe, weil ich mit Werner ja auch Musik mache. Und er war total begeistert und sagte: Dieses Album m\u00f6chte er mastern, da hat er richtig Bock drauf. Ich finde, er hat wirklich daf\u00fcr gesorgt, dass es noch besser klingt. F\u00fcr unseren Sound ist Werner mit seinem Mastering ein wichtiger Faktor und darf nicht unerw\u00e4hnt bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Auf gar keinen Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ich bin eigentlich auch eher Fan der zweiten Seite, obwohl ich die erste nat\u00fcrlich auch toll finde. Das ist unsere Pop-Seite, sage ich jetzt mal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Dann tauchen wir jetzt in die Dunkelheit. Da gibt es zwei St\u00fccke, die infrage kommen, und das sind auch die, die sich auf Gustav Holst und Bernard Herrmann beziehen, auf die Pioniere der Sci-Fi-Musik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> \u00bbNebula\u00ab ist eins der chilligsten St\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Holst hat in den \u00bbPlaneten\u00ab f\u00fcr jeden von sieben Planeten einen Satz geschrieben \u2014 die Erde kommt nicht vor, und Pluto war noch nicht entdeckt. Bei Holst ist es so angelegt, dass die Musik immer dunkler und geheimnisvoller wird, je weiter man sich von der Sonne entfernt. Das Planetensystem wird immer unwirtlicher \u2014 und genau diese \u00e4u\u00dferen S\u00e4tze wurden Jahrzehnte sp\u00e4ter zur Blaupause f\u00fcr Science-Fiction-Soundtracks. Der Uranus-Satz, \u00bbder Magier\u00ab, stand schlie\u00dflich Pate f\u00fcr \u00bbNebula\u00ab. Unter anderem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Genau, unter vielem anderen! Und das Ende von \u00bbNebula\u00ab mit dem Chor \u2014 da muss ich sagen: Auch das gibt es bei Holst schon. Der Neptun-Satz endet mit einem unsichtbaren Frauenchor, der hinter der B\u00fchne singt, w\u00e4hrend die T\u00fcr langsam geschlossen wird, bis nichts mehr zu h\u00f6ren ist. Das gilt als das erste Fade-out der Musikgeschichte, 1918, lange vor der Studiotechnik. Und unser Chor am Ende klingt f\u00fcr mich fast schon nach F\u00fcnfziger-Jahre-Science-Fiction \u2014 nach Herrmanns <em>The Day the Earth Stood Still<\/em> mit seinen Thereminen. W\u00e4hrend der Bass bei Serge Gainsbourg auf <em>Histoire de Melody Nelson<\/em> zu Hause sein k\u00f6nnte. Man kann so ganz unterschiedliche Sachen zusammenbringen, und darum macht das dann einfach Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">VII \u2014 Das Leben ist \u00fcberall<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> F\u00fcr mich ist es im Kontrast zu Holst eher so, dass das Leben grenzenlos ist. Es ist eine universelle Kraft, die \u00fcberall im Universum wirksam ist. Selbst wenn es keine Menschen mehr geben wird, wird es doch Leben geben. Selbst wenn wir es fertigbringen, alles zu zerst\u00f6ren: Das Leben geht weiter, es nimmt \u00fcberhaupt keine R\u00fccksicht darauf, was wir f\u00fcr einen Quatsch machen. Das Leben als Kraft, die alles durchwirkt: Das ist die positive Botschaft hinter den Kosmischen Kurieren. Das ist auch die Pointe unseres zweiten Videos, dem \u00bbWasser des Lebens\u00ab, das auf zahlreichen Filmfestivals als Teil der Official Selection gezeigt und in Porto mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"ll-vf\" data-yt=\"FjugUFrBKZY\" data-title=\"Wasser des Lebens\">\n  <button type=\"button\" class=\"ll-vf__btn\" aria-label=\"Video \u201eWasser des Lebens\u201c abspielen\">\n    <img src=\"https:\/\/lovelab.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wasser-des-lebens-still-2.jpg\" alt=\"Standbild aus dem Video \u201eWasser des Lebens\u201c\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\">\n    <span class=\"ll-vf__play\" aria-hidden=\"true\"><\/span>\n  <\/button>\n  <figcaption>\u201eWasser des Lebens\u201c \u2014 Musikvideo, 2026 \u2014 Official Selection auf mehreren Filmfestivals, Ehrenpreis in Porto<\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mich n\u00e4mlich entschieden, einige Videos f\u00fcr diese Musik zu generieren. \u00bbGenerieren\u00ab ist dabei genau das richtige Wort, denn es sind KI-Videos. Es ist noch immer eine Menge Arbeit, aber es sind eben nicht mehr die Millionenbudgets, die man vor zwei, drei Jahren daf\u00fcr gebraucht h\u00e4tte. Auf diesem Level zu produzieren ist tats\u00e4chlich erst in den letzten Monaten m\u00f6glich geworden. Der erste Clip, \u00bbVenus Matinee\u00ab, ist Anfang April erschienen und sofort viral gegangen \u2014 f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse viral, mit rund achtzigtausend Plays. Und mit einem begeisterten Kommentar von Mark Batson darunter, dem Produzenten von Beyonc\u00e9. Inzwischen will er mit mir zusammenarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Es beginnt zu rollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Der Clip erinnert an Kubricks <em>2001<\/em> oder an Chris Cunninghams <em>All Is Full of Love<\/em>. Aber er schl\u00e4gt eine andere, feministische Richtung ein: Es geht um F\u00fcrsorge, Gemeinschaft und die Frage, wie eine friedliche Zukunft aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"ll-vf\" data-yt=\"7n-oR0nSvTs\" data-title=\"Venus Matinee\">\n  <button type=\"button\" class=\"ll-vf__btn\" aria-label=\"Video \u201eVenus Matinee\u201c abspielen\">\n    <img src=\"https:\/\/lovelab.berlin\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/venus-matinee-still-2.jpg\" alt=\"Standbild aus dem Video \u201eVenus Matinee\u201c\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\">\n    <span class=\"ll-vf__play\" aria-hidden=\"true\"><\/span>\n  <\/button>\n  <figcaption>\u201eVenus Matinee\u201c \u2014 Musikvideo, 2026<\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ich finde \u00fcbrigens das Cover wirklich cool. Als ich mit den Flyern durch Berlin marschiert und in einen Plattenladen gegangen bin, ist mir aufgefallen: Auf dem neuen Album von Kurt Dahlke, Pyrolator, sind die auch mit Raumanz\u00fcgen auf dem Cover. Wir sind offenbar in guter Gesellschaft. Eigentlich m\u00fcssen wir das unbedingt auch als Plakat machen, das ist ein sehr sch\u00f6nes, sehr positives Motiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Ja, das Cover kommt \u00fcberall super an. Wir haben jetzt zwei Vinyl-Exemplare in Auftrag gegeben, und wenn sie geordert werden, gibt es zu vierhundert Euro das St\u00fcck weitere Copies \u2014 aber maximal sieben insgesamt. Handsigniert. Das ist das Lovelab-Konzept: Von ausgew\u00e4hlten Werken gibt es winzige Editionen, die einen Sammlerwert haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Und f\u00fcr die normalen Fans gibt es offizielle Bootlegs.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">VIII \u2014 Heute ist ein Beginn<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ich finde es auch sch\u00f6n, dass wir jetzt nach f\u00fcnfundzwanzig Jahren Zusammenarbeit endlich unser Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht haben. Ich glaube, so lange hat noch nie jemand f\u00fcr ein Deb\u00fctalbum gebraucht. Jede Schnecke bringt schneller ein Album an den Start als wir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Eigentlich unfassbar. Dabei haben wir unsere wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen noch vor uns. Du hast bei unserer heutigen Release-Veranstaltung fast nur Musik von uns gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ja, vieles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Ich habe unsere St\u00fccke gar nicht wiedererkannt. Ich habe mich nur gewundert, was das f\u00fcr gro\u00dfartige Musik ist!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Es ist erstaunlich, wie gut das ist, wenn man es mal wieder h\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> In Frankreich geht es ja gut ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Ja, da gibt es einen Fan: Olivier Lehoux.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Eine Legende. Seine Sendung l\u00e4uft in Frankreich auf \u00fcber drei\u00dfig Radiostationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> So etwas darf man nie untersch\u00e4tzen. Radiohead haben ihre Karriere im Grunde einem israelischen Radio-DJ zu verdanken. \u00bbCreep\u00ab war 1992 in England erst mal komplett gefloppt, die BBC fand es zu deprimierend. Und dann hat ein DJ beim israelischen Armeeradio das St\u00fcck rauf und runter gespielt, es wurde dort ein Hit \u2014 die erste Auslandsreise der Band \u00fcberhaupt ging nach Israel, zu kreischenden Fans. Erst danach kam der Rest der Welt. Irgendwo f\u00e4ngt es an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Ganz genau. Bei uns offenbar in Frankreich. Ich finde ja auch, es ist eine sehr franz\u00f6sische Platte geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Str\u00fcver:<\/strong> Es ist auf jeden Fall Musik, die f\u00fcr franz\u00f6sische Filme pr\u00e4destiniert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tim Ra:<\/strong> Heute ist ein Beginn. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das Gespr\u00e4ch wurde am 25. April 2026 im Rahmen der Listening-Session zur Ver\u00f6ffentlichung von \u00bbKosmische Kuriere\u00ab im Lovelab Dreamspace gef\u00fchrt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbKosmische Kuriere\u00ab<\/strong> ist am 25. April 2026 auf <a href=\"\/fr\/label\/\">Lovelab<\/a> erschienen und auf <a href=\"https:\/\/tim-ra.bandcamp.com\/album\/kosmische-kuriere\" rel=\"noopener\">Bandcamp<\/a> und allen Streaming-Portalen vollst\u00e4ndig zu h\u00f6ren. Die Videos \u00bbVenus Matinee\u00ab und \u00bbWasser des Lebens\u00ab finden sich auf der <a href=\"\/fr\/kosmische-kuriere\/\">Albumseite<\/a>. Von der Vinyl-Ausgabe existieren sieben handsignierte Exemplare \u2014 <a href=\"\/fr\/editions\/\">Editionen<\/a>. Wer den n\u00e4chsten Traum nicht verpassen will: <a href=\"\/fr\/lettre-dinformation\/\">dem Traum beitreten<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr Arbeit, f\u00fcnfundzwanzig Jahre Anlauf: ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Holst und Herrmann, \u00fcber Aufstieg und Absturz der Kosmischen Kuriere um Rolf-Ulrich Kaiser \u2014 und \u00fcber die KI als Universalarchiv.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":10327,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-10300","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-texte"],"aioseo_notices":[],"aioseo_head":"\n\t\t<!-- All in One SEO 5.0.1.1 - aioseo.com -->\n\t<meta name=\"description\" content=\"Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Gustav Holst, Bernard Herrmann, \u00fcber SciFi und Krautrock \u2014 und das Archiv als Musikinstrument\" \/>\n\t<meta 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